Karpaltunnel
Das Karpaltunnelsyndrom (CTS) tritt auf, wenn der Nervus medianus im Bereich der Handwurzel beugeseitig des Handgelenks eingeengt wird. An dieser Stelle passiert der Nervus medianus gemeinsam mit neun Beugesehnen einen Tunnel (Carpal-Tunnel), der durch die Handwurzelknochen und ein etwa 2 bis 4 cm breites Band (Retinaculum flexorum) begrenzt wird. Der Nervus medianus versorgt sowohl den Daumen als auch den Zeige-, Mittel- und die dem Mittelfinger zugewandte Hälfte des Ringfingers mit Gefühl.
Symptome
Typische Symptome sind Taubheitsgefühle, Kribbeln und Einschlafen im Bereich dieser Finger. Gelegentlich können auch brennende Schmerzen auftreten. In der Regel treten diese Symptome nachts oder bei längerer Beibehaltung einer gleichen Handstellung, beispielsweise beim Zeitunglesen oder Autofahren, besonders intensiv auf, da der Carpal-Tunnel bei Beugung und Streckung des Handgelenks zusätzlich eingeengt wird.
Ursache
Die Ursache des Karpaltunnelsyndroms ist nicht immer eindeutig. Da sich der Carpal-Tunnel nicht ausdehnen kann, spielt vor allem eine Volumenvermehrung der Strukturen im Carpal-Tunnel eine Rolle. Durch den zunehmenden Druck wird die empfindlichste Struktur, der Nervus medianus, geschädigt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und es wird vermutet, dass hormonelle Unterschiede eine Rolle spielen.
Diagnose
In den meisten Fällen kann die Verdachtsdiagnose bereits durch die vom Patienten geschilderten Symptome gestellt werden. Typisch sind dabei vor allem nächtliche Beschwerden, wobei der Patient häufig aufwacht und durch Schütteln der Hand versucht, die Symptome zu lindern. Spezielle Tests während der Handuntersuchung können dazu beitragen, die Verdachtsdiagnose zu bestätigen. Unter Umständen kann auch die Durchführung eines Röntgenbilds des Handgelenks erforderlich sein.
Die definitive Diagnose erfolgt durch elektrophysiologische Messungen. Diese Messungen ermöglichen eine objektive Bestimmung, ob und in welchem Maße eine Einengung des Nervs vorliegt. Eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung kann weitere Informationen über die Ursache der Erkrankung liefern.
Konservative Behandlungsmöglichkeiten
Bei kürzlich aufgetretenen Symptomen oder einer milden Ausprägung der Nerveneinklemmung kann eine nicht-operative (konservative) Behandlung in Betracht gezogen werden. Hierbei hat sich insbesondere die Verwendung einer Handgelenksschiene bewährt, die nachts getragen wird. Gelegentlich ist auch die gleichzeitige Einnahme abschwellender Medikamente erforderlich. In unklaren Fällen oder bei akut auftretenden Symptomen kann eine Infiltration mit einem lokal wirkenden Kortisonpräparat durchgeführt werden. Diese Spritze zeigt in den meisten Fällen jedoch nur für kurze Zeit Wirkung. Falls die Beschwerden weiterhin bestehen oder nicht ausreichend auf die genannten konservativen Maßnahmen ansprechen, kann eine operative Therapie in Betracht gezogen werden.
Nerven sind äußerst empfindliche Strukturen. Langanhaltender Druck kann zu einer fortschreitenden Beeinträchtigung führen, die möglicherweise nicht reversibel ist. Neben Sensibilitätsstörungen kann auch eine Schwäche des Daumens mit teilweisem Muskelrückgang auftreten, wenn die Nerveneinklemmung dauerhaft besteht. Daher ist es oft ratsam, mit der Operation nicht zu lange zu warten.
Operative Behandlungsmöglichkeiten
Die operative Behandlung des Karpaltunnelsyndroms beinhaltet die Befreiung des Nervus medianus aus seiner Einklemmung durch die Durchtrennung des Retinaculum flexorum, das das Dach des Carpal-Tunnels bildet.
Die Operation des Karpaltunnelsyndroms zählt zu den häufigsten handchirurgischen Eingriffen und weist eine Erfolgsrate von über 90 Prozent auf. Ein erneutes Auftreten der Probleme ist äußerst selten, und während des Eingriffs treten kaum Komplikationen auf.